Liebe Musikfreunde,
vielleicht beginnt Schönheit mit einem Moment des Erkennens. Mit etwas, das uns anspricht, ohne dass wir genau sagen könnten, warum. Was die eine Person berührt, lässt eine andere unberührt – und doch haben sich über Zeiten hinweg gemeinsame Vorstellungen davon gebildet, was als schön gilt. Manche Schönheitsideale kehren immer wieder, als folgten sie einem inneren Maß, das zwischen dem Vergänglichen und der Hoffnung auf etwas Bleibendes liegt. Wir beschwören Schönheit, suchen sie in Klängen, Räumen, Gesten, in der Kunst ebenso wie im eigenen Leben. Vielleicht, weil Schönheit mehr ist als ein Versprechen von Harmonie. Sie ist eine Erfahrung, die uns innehalten lässt – und die uns zugleich öffnet. Das Mozartfest stellt seine neue Saison unter das Motto »Beschworene Schönheit«. Gemeint ist damit keine makellose Oberfläche und kein ungebrochener Wohlklang. Schönheit kann stärken und trösten, aber sie kann auch irritieren. Sie kann ein Gegenentwurf zu den Zumutungen der Welt sein – und zugleich Anlass zur Frage, wann sie zur Flucht wird, wann sie ausschließt, normiert oder sich in falschen Idealen verliert. Gerade in dieser Spannung bleibt sie lebendig. Mozart gibt den Rahmen für unser Programm. Seine Musik kennt diese Ambivalenzen. Ihre Leichtigkeit ist nie ohne Ernst, ihre Klarheit nie ohne Tiefe. Oft liegt hinter dem Anmutigen ein Zweifel, hinter dem Ausgewogenen ein Abgrund. Schönheit erscheint hier nicht als Zustand, sondern als Bewegung – als etwas, das sich im Hören immer wieder neu einstellt. Für dieses Magazin haben wir Künstlerinnen und Künstler des Festivals eingeladen, ihre persönlichen Gedanken zum Motto zu teilen. Die Vielstimmigkeit dieser Antworten macht sichtbar, wie unterschiedlich Schönheit erfahren und gedacht werden kann – und wie sehr sie vom Dialog lebt. Mit Tianwa Yang als Artiste étoile und Leonie Klein als Artiste d’avenir begegnen sich in dieser Saison zwei künstlerische Haltungen, die einander ergänzen: überragende Meisterschaft und die Lust auf neue Zugänge zur Klassik. Der Essay des Kunsthistorikers Damian Dombrowski erweitert die Perspektive auf die Geschichte der Schönheit – und auf unsere Hauptspielstätte, die Würzburger Residenz, deren Architektur selbst ein Nachdenken über Maß, Anspruch und Wirkung herausfordert. Möge dieses Mozartfest Sie inspirieren – als Einladung zum genauen Hinhören, zum offenen Blick. Vielleicht entdecken wir gemeinsam Momente, in denen Schönheit aufscheint: unerwartet, berührend, widersprüchlich. Nicht als festes Ideal, sondern als Erfahrung, die wir teilen. Ihre Evelyn Meining Intendantin des Mozartfests Würzburg Die gedruckte Ausgabe des Mozartfest-Magazins ist erhältlich im Mozartfestbüro.
Liebe Musikfreunde,
vielleicht beginnt Schönheit mit einem Moment des Erkennens. Mit etwas, das uns anspricht, ohne dass wir genau sagen könnten, warum. Was die eine Person berührt, lässt eine andere unberührt – und doch haben sich über Zeiten hinweg gemeinsame Vorstellungen davon gebildet, was als schön gilt. Manche Schönheitsideale kehren immer wieder, als folgten sie einem inneren Maß, das zwischen dem Vergänglichen und der Hoffnung auf etwas Bleibendes liegt. Wir beschwören Schönheit, suchen sie in Klängen, Räumen, Gesten, in der Kunst ebenso wie im eigenen Leben. Vielleicht, weil Schönheit mehr ist als ein Versprechen von Harmonie. Sie ist eine Erfahrung, die uns innehalten lässt – und die uns zugleich öffnet. Das Mozartfest stellt seine neue Saison unter das Motto »Beschworene Schönheit«. Gemeint ist damit keine makellose Oberfläche und kein ungebrochener Wohlklang. Schönheit kann stärken und trösten, aber sie kann auch irritieren. Sie kann ein Gegenentwurf zu den Zumutungen der Welt sein – und zugleich Anlass zur Frage, wann sie zur Flucht wird, wann sie ausschließt, normiert oder sich in falschen Idealen verliert. Gerade in dieser Spannung bleibt sie lebendig. Mozart gibt den Rahmen für unser Programm. Seine Musik kennt diese Ambivalenzen. Ihre Leichtigkeit ist nie ohne Ernst, ihre Klarheit nie ohne Tiefe. Oft liegt hinter dem Anmutigen ein Zweifel, hinter dem Ausgewogenen ein Abgrund. Schönheit erscheint hier nicht als Zustand, sondern als Bewegung – als etwas, das sich im Hören immer wieder neu einstellt. Für dieses Magazin haben wir Künstlerinnen und Künstler des Festivals eingeladen, ihre persönlichen Gedanken zum Motto zu teilen. Die Vielstimmigkeit dieser Antworten macht sichtbar, wie unterschiedlich Schönheit erfahren und gedacht werden kann – und wie sehr sie vom Dialog lebt. Mit Tianwa Yang als Artiste étoile und Leonie Klein als Artiste d’avenir begegnen sich in dieser Saison zwei künstlerische Haltungen, die einander ergänzen: überragende Meisterschaft und die Lust auf neue Zugänge zur Klassik. Der Essay des Kunsthistorikers Damian Dombrowski erweitert die Perspektive auf die Geschichte der Schönheit – und auf unsere Hauptspielstätte, die Würzburger Residenz, deren Architektur selbst ein Nachdenken über Maß, Anspruch und Wirkung herausfordert. Möge dieses Mozartfest Sie inspirieren – als Einladung zum genauen Hinhören, zum offenen Blick. Vielleicht entdecken wir gemeinsam Momente, in denen Schönheit aufscheint: unerwartet, berührend, widersprüchlich. Nicht als festes Ideal, sondern als Erfahrung, die wir teilen. Ihre Evelyn Meining Intendantin des Mozartfests Würzburg Die gedruckte Ausgabe des Mozartfest-Magazins ist erhältlich im Mozartfestbüro.
